Nicaragua im Ausnahmezustand= Eine bewegende Nachricht

Entdecke die Welt Nicaragua im Ausnahmezustand= Eine bewegende Nachricht

Silvester 2017. Ein junges verliebtes Paar steht vor mir auf dem Marktplatz in Leon und schaut glücklich in die gemeinsame Zukunft. Zusammen sind sie von Europa nach Nicaragua ausgewandert, haben dort ein Hostel eröffnet und feiern nun das erste Mal mit ihren zahlreichen Gästen Silvester. Aber nur wenige Monate später sollte sich die Situation in Nicaragua dramatisch ändern. Nicaragua im Ausnahmezustand.

Nicaragua: Ausschreitungen und Ausnahmezustand

Am 19. April 2018 kam es in einigen Städten in Nicaragua zu Aufständen und Demonstrationen gegen die Regierung. Initiatoren dieser Aufstände waren Studenten, die mit einer neuen Rentenreform des mächtigen Präsidenten Daniel Ortegas nicht einverstanden waren. Die Bevölkerung war schon lange unzufrieden mit seiner Regierung aber diese Sozialreform brachte dann das Fass zum Überlaufen. Die Proteste lösten eine Welle der Gewalt aus, denn die Polizei versuchte die Studenten mit Gewalt an ihren Protesten zu hindern. Nicaragua im Ausnahmezustand. Durch die gewaltsamen Auseinandersetzungen kamen über 60 Menschen ums Leben. Die Regierung versuchte daraufhin diese Tatsache zu vertuschen, was dazu führte, dass sie auch den Rest der Bevölkerung gegen sich aufbrachten. Seither ist die Lage in Nicaragua explosiv, die Gewalt in Nicaragua nahm täglich zu.

Glaubt man den Aussagen von Menschenrechtlern, dann starben in drei Monaten an die 500 meist noch sehr junge Menschen im Zuge dieser Protestbewegung.

Nicaragua wurde zum Lieblingsziel von Backpackern

Als ich vor einigen Monaten von diesen Entwicklungen in Nicaragua gehört habe, hat es mich natürlich sehr getroffen. Es ist immer schlimm, wenn Auseinandersetzungen Menschenleben kosten und eine Lage so außer Kontrolle gerät. Aber für Nicaragua hat das weitaus schlimmere Folgen. Das Land war gerade erst groß im Kommen bei Backpackern und Reiseliebhabern. Das hatte auch seine negativen Seiten, über die ich auch damals in meinem Bericht Meine Route und mein Fazit über Nicaragua erzählt habe. Die Menschen fingen an sich an den Touristen bereichern zu wollen. Nicaragua galt immer noch nicht als sicheres Reiseziel. Gerade die Hauptstadt Managua war bekannt für bewaffnete Raubüberfälle. Touristen werden hier zur besonderen Vorsicht ermahnt, man solle nachts nicht mehr allein auf die Straßen. Die Städte Leon und Granada galten dagegen als relativ sicher. Vor allem die Stadt Leon.

Die Ausschreitungen in Nicaragua verändern das Leben der Menschen dort

Letzte Woche habe ich eine Email von den oben genannten Hostelinhabern erhalten, dem jungen Paar, das noch so voller Zuversicht in das Jahr 2018 geblickt hatten. Diese Nachricht hat mich sehr berührt. Die beiden mussten, wie viele andere Geschäftsleute, ihr Hostel schließen und verließen Nicaragua aus Sicherheitsgründen für zwei Monate. Nun sind sie wieder zurück und versuchen verzweifelt die Touristen wieder nach Nicaragua zu bringen. Sie schreiben in ihrer Nachricht, dass das Leben in Nicaragua langsam wieder zur Normalität zurückfindet. Der Ausnahmezustand in Nicaragua sei nicht mehr gegeben. Menschen, egal ob jung oder alt, trauen sich wieder auf die Straßen. Supermärkte sind geöffnet und mit Lebensmitteln gefüllt. Tagsüber kann man wieder sicher auf die Straßen gehen.

Man merkt ihrer Mail an, dass sie verzweifelt sind, denn: Die Touristen bleiben weg. Viele Menschen in dem armen Land haben ihre Jobs verloren. In ihrer Nachricht räumen Sie aber auch ein, dass es nachts sicherer ist sich ein Taxi zu nehmen und nicht alleine auf der Straße unterwegs zu sein. Mich berührt dieses persönliche Schicksal von ihnen aber auch das der Menschen in Nicaragua sehr. Die Menschen dort leben vom Tourismus. In der Nachricht wird deutlich gemacht, wie sehr sich die Menschen danach sehnen, dass ihr Land wieder positiv wahrgenommen wird und dass die Touristen zurückkommen.

Die Menschen haben keine Arbeit mehr, sie brauchen die Touristen, um wieder in das normale Leben zurückzufinden. „ Sie werden mit offenen Armen und einem Lächeln empfangen,“ verspricht die Nachricht. Das Hostel in Leon bietet einen 50% Rabatt bei Buchung an, für Menschen, die bereits Gäste waren und Ihre Freunde.

Gerne würde ich hier jetzt dazu aufrufen, Nicaragua zu besuchen, weil alles wieder gut ist. Aber das kann ich nicht, weil ich einfach nicht weiß wie die Lage wirklich ist.

Das Auswärtige Amt warnt weiterhin vor Reise nach Nicaragua

Denn im Vergleich zu dieser Email stehen die Aussagen auf der Seite des Auswärtigen Amtes. Dort wird deutschen Staatsangehörigen, von nicht erforderlichen Reisen nach Nicaragua abgeraten. Außerdem wird empfohlen, sich für die Dauer des Aufenthalts in die Krisenversorgungsliste einzutragen. Dass das Auswärtige Amt natürlich immer auf Nummer sicher geht und ich viele der Länder, die ich bereist habe, nicht bereisen hätte sollen, wenn ich auf die Hinweise gehört hätte, ist klar. Aber man darf auch nicht außer Acht lassen, dass eine Krise nicht von heute auf morgen vorbei ist. Vor allem, wenn sich eigentlich noch nichts geändert hat. Proteste gibt es nach wie vor in dem Land.

Allerdings sollte man auch beachten, dass Lateinamerika generell kein sicherer Kontinent zum Reisen ist. Man kann es einfach nicht mit Europa vergleichen. Jeder muss für sich selbst entscheiden, welches Risiko er bereit ist einzugehen und wie groß er das Risiko einschätzt.

Ich kann nur sagen, dass Nicaragua sehr viel zu bieten hat. Wunderschöne Vulkanlandschaften, Action wie Vulkanbording, Salsa Abende in tollen Städte und beeindruckende Strände. Hoffentlich wird Nicaragua bald wieder so bei Touristen wahrgenommen und diese schrecklichen Monate geraten schnell in Vergessenheit. <3

Mehr zum Vulkanbording erfährst du hier.

Eure Nele

Eigenwerbung: Mehr über meine Weltreise erfahrt ihr in meinem Buch: Einmal um die Welt zu mir selbst: Einmal um die Welt zu mir selbst

 

Nele
Mein Name ist Daniela Seiberle (Nele) und habe im Jahr 2016 diesen Blog gestartet. Meine Weltreise ist vorbei, aber trotzdem Reise ich stetig weiter. Ich schreibe professionell für die Regionalzeitung Südkurier und bleibe immer auf Reisen - im Herzen sowieso in der weiten Welt. Werdet ein Teil von mir auf Neleworld.

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Comments

  1. Hi Nele,
    ich war im Februar 2016 mit meinem Bruder in Nica und habe auch die Meldungen der letzten Monate mitverfolgt. Wir haben auch ein paar gute Freunde in Leon und ihnen geht es zum Glück gut. Ich hoffe es kehrt dort bald wieder der Alltag ein.
    Lg Jan von https://thehiketribe.com/de/

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